Sigrid Kwella


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Was es ist
(sehr frei nach Erich Fried von Ilonka Stebritz)

Es ist völlig ungiftig.
Es ist eine Lüge.
Es ist Betrug am ungeborenen Leben.

Es bringt ruhigen Schlaf.
Es bringt ein böses Erwachen.
Es bringt Trauer und Schmerz.

Es ist ein Verkaufserfolg.
Es ist voll von Versäumnissen.
Es ist ein Skandal.

Es ist was es ist. Contergan





Die Farbe Weiß. Krankenhausweiß. Geruch? Ich kann mich kaum erinnern. Wie rochen Krankenhäuser in den 60er Jahren?

Ich sitze in meinem Gitterbettchen. Nicht zu Hause, wie meine Schwester.
Ich kenne keine Familie, die, nicht irgendwelche schrulligen Ecken und Kanten hat, die, wenn man sie Jahre später erzählt, vor lachen nicht mehr aufhören kann.
Anfangs hört sich alles banal und langweilig an: Mutter, Vater, zwei Töchter, zu Beginn der 60er Jahre.
Doch ich bin ein besonderes Kind, ein Contergankind. Ein Kind bin ich aber schon lang nicht mehr, das Leben lies mich erwachsen werden. Ein Stück Kindheit im Krankenhaus, aufgewachsen danach mit Mutter, Stiefvater und Schwester.
Ich hatte in meiner Teenie-Zeit mit meiner Behinderung zu kämpfen, wollte so sein, wie die Anderen. Erst in den Zwanzigern lernte ich, dass die Anderen nicht besser sind, nur weil sie lange Arme hatten. Bekam zwei Kinder und war auch mal verheiratet. Ein stinknormales Leben - oder nicht?
Nicht ganz, denn auch wenn alles so leicht aussieht, der Alltag ist schwer, jeden Tag auf’s Neue. Meine Kinder sind groß und aus dem Haus, nach einer weiteren wundervollen Beziehung zu einer Frau bin ich wieder Single. Ich lebe allein, mit Hilfe von lieben Freundinnen und meiner Hauselfe.
Ich genieße das Leben, habe noch so viel vor. Ich will malen, eine große Ausstellung auf die Beine stellen, zwei Bücher schreiben und tanzen, vor allem tanzen. Beim Argentinischen Tango oder Standardtanz geht bei mir die Seele auf und kann heilen, egal wie groß die Wunden waren. Bin ich doch durch viele Tiefen durch, ruhe jetzt in mir und bin mit mir im Reinen. Wer kann das schon von sich behaupten? Nicht viele, aber es war harte Arbeit. Immer die Starke, Zuhörerin, Geduldige zu sein. Nur keine Schwäche zeigen, immer den täglichen Kampf aufnehmen. Es gibt vieles im Alltag, was mir schwer fällt und oft auch wegen der Schmerzen durch Folgeschäden bedingt, gar nicht mehr selbständig ausführbar ist. Es gibt Bereiche, wo ich mehr und mehr Assistenz brauche aber ich schaue nach vorn und mache das Beste daraus, mit dem was ich noch kann.
Da ist noch ’ne Menge Leben drin!
Das Wichtigste im Leben sind FreundInnen und Familie. Und die habe ich, FreundInnen mit denen ich viel Spaß habe, auf die ich mich verlassen und stützen kann, wenn ich es brauche. Und auch meine Söhne geben mir immer wieder Kraft.